Abstinenz 6 oder 12 Monate für MPU ausreichend?

Ich möchte hier auf etwas Grundsätzliches eingehen, wenn es um die Entscheidung zu den Nachweiszeiten geht. Diese Frage wird uns von unseren Kunden auch immer wieder gestellt.

Die Frage nach dem nötigen Abstinenzzeitraum ist immer wieder knifflig und führt teilweise zu falschen Entscheidungen in der Vorbereitung auf die MPU. Warum?

Als Betroffener, der in die MPU muss,  wollen viele möglichst schnell wieder einen Führerschein zurückbekommen und vielleicht auch Geld sparen. Also möglichst nur 6 Monate Nachweise der Alkoholabstinenz machen.

Der Vorbereiter oder MPU-Berater möchte Sie gerne als Kunden gewinnen und so versprechen viele, dass ist alles kein Problem bei uns. 6 Monate reichen vollkommen. Viele MPU-Vorbereiter waren nie MPU-Gutachter und ihnen fehlt die Erfahrung als Gutachter. Die Kenntnis der Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahrteignung und die Beurteilungskriterien für die Diagnostik in der MPU (Einordnung des Falles) ersetzt nicht die Praxis. Wobei ich teilweise den Eindruck hatte, manche Beurteiler kennen beide Werke nicht. Das bedeutet in der Praxis oft, dass Vorbereiter den Fall zu leicht nehmen. Und nicht zu vergessen Vorbereiter werden bei Fehlurteilen nicht zur Rechnenschaft gezogen wie Gutachter. Die Gutachter werden von der MPU-Stelle kontrolliert und vom Bundesamt für Straßenverkehr (BAST). Sie lesen stichprobenartig die Gutachten. Sind nach Einschätzung der BAST zu viele Gutachten positiv ausgefallen (schlapp geprüft), läuft die MPU-Stelle Gefahr ihre Lizenz zu verlieren und damit die Gutachter ihren Job. Das bedeutet, Gutachter müssen die Einschätzung jeden Falles sehr genau vornehmen.

Der hier angesprochene Fall im MPU-Forum bewegt sich zwischen Kontrolliertem Trinken und der Fortgeschrittenen Alkoholproblematik. Im ersten Fall muss derjenige entweder Kontrolliertes Trinken betreiben oder kann sich freiwillig für eine Abstinenz entscheiden. Dafür müsste er nicht einmal Abstinenz nachweisen. Im letzteren Fall der Fortgeschrittenen Alkoholproblematik muss er 12 Monate abstinent sein. Interessanterweise reichen 6 Monate Nachweis derzeit hierfür noch aus. Die restlichen 6 Monate Abstinenz muss man allerdings glaubhaft machen können. Und das gelingt vielen nicht. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass es irgendwann 12 Monate Nachweise sein werden, da es verschärft wird. Analog braucht man nämlich bei der Fortgeschrittener Drogenproblematik jetzt schon 12 Monate Nachweis.

Die MPU-Guterachterin wird zu dem Schluß gekommen sein, dass es sich um eine fortgeschrittene Alkoholproblematik handelt. Die Nachweiszeit von 6 Monaten hat ihr nicht gereicht, da der Kunde die restlichen 6 Monate zu den insgesamt 12 nötigen nicht glaubhaft machen konnte. Deshalb negativ.

Lange Rede, kurzer Sinn. Steht fest, dass Sie abstinent sein müssen, sollten Sie stets auf 12 Monate Nachweise gehen. Alles andere ist riskant, insbesondere wenn Sie nicht sehr gut darstellen können, wie die 12 Monate Abstinenz waren.

 

Tags: Abstinenznachweise,, Abstinenzzeitraum 6 Monate,, Abstinenzzeitraum 12 Monate,, negative MPU wegen zur kurzer Abstinenz